Social Entrepreneurship – Die Theorie

Auf dieser Seite findest du einiges an theoretischen Inputs zum Thema Social Entrepreneurship. Falls du das Gefühl hast, dass wir wichtige Informationen ausgelassen haben, dann kontaktiere uns gerne jederzeit. Wir entwickeln unsere Website dank euren Inputs ständig weiter.

Warum brauchen wir überhaupt Social Businesses?
Unsere Gesellschaft ist mit einer Vielzahl von ungelösten sozialen und ökologischen Herausforderungen konfrontiert. Viele der derzeitigen Ansätze zur Lösung dieser Herausforderungen seitens Regierungen oder dem dritten Sektor sind nicht zufriedenstellend oder nicht komplett nachhaltig und daher auch nicht die ideale Lösung.

Aufgrund dieser Umstände ist es zu einem Anstieg an unternehmerischer Aktivitäten gekommen, die sich zum Ziel gesetzt haben diese Missstände durch Implementierung von neuen und innovativen Tools und Lösungen zu lösen.

Darüber hinaus sind wir – ganz nach einigen Ansätzen des Gemeinwohlökonomen  Christian Felber  – davon überzeugt, dass Unternehmen sich vor allem um den gesellschaftlichen Impact bemühen und das Gemeinwohl dem Profit vorstellen sollen. Geld wurde als Mittel zum Zweck des Handels erfunden – mittlerweile ist es für viele zum ultimativen Ziel ihres Lebens geworden.

Unternehmen sollen dafür belohnt werden, wenn sie Gutes zu tun, der Gesellschaft und Umwelt etwas zurückgeben und zu einer gerechteren und gleicheren Welt für jeden und jede beitragen. Social Businesses leben genau diese Philosophie und sind daher dringend erforderlich, um unser derzeitiges Wirtschaftssystem zu transformieren.

Definitionen, Definitionen.

“Social entrepreneurship is the process of identifying, evaluating and exploiting opportunities aiming at social value creation by means of commercial, market-based activities and the use of a wide range of resources.” -Bacq, S., & Janssen, F. (2011)

Was bedeutet das denn jetzt?

Social Entrepreneurship bedeutet in unserem Verständnis, dass innovative Werkzeuge und Geschäftsmodelle eingesetzt werden, um positive soziale Veränderung zu bewirken. Gleichzeitig ist dieses Geschäftsmodell jedoch auch nachhaltig (im Gegensatz zu klassischen NPOs, die oftmals auf Spendeneinnahmen basieren). Auch wenn die Definitionen von Social Entrepreneurship umfangreich sind und in manchen Punkten variieren, so gibt es doch einen Faktor, den alle Definitionen gemeinsam haben; die soziale Mission. In einem Sozialunternehmen steht diese an 1. Stelle bzw. ist zumindest mit den finanziellen Zielen gleichgestellt. Dieser Aspekt ist wohl auch das deutlichste Unterscheidungsmerkmal zu konventionellen profit-orientierten Unternehmen.

Auch in der Auffassung über die Ziele eines Sozialunternehmens, sind sich Literatur und der öffentliche Diskurs nicht immer einig. Während einige argumentieren, dass Sozialunternehmen versuchen aktuelle Gegebenheiten zu verbessern, postulieren andere einen radikaleren Ansatz, bei dem versucht wird profunde Reformen und Systemveränderungen durch die unternehmerischen Handlungen hervorzurufen. Das folgende Zitat von Bill Drayton (Gründer von Ashoka) veranschaulicht diese Ansicht sehr gut:

“Social entrepreneurs are not content just to give a fish, or teach how to fish. They will not rest until they have revolutionized the fishing industry” – Bill Drayton

Auch wenn Bill Drayton’s Perspektive mit unseren Zielen bei SEF übereinstimmt, da es sich um das “big picture” dreht, nehmen wir jedoch Social Entrepreneurship und die damit einhergehenden Aktivitäten etwas anders wahr. Insbesondere verstehen wir darunter die Summe aller kleinen Schritte, die von vielen Menschen kollektiv unternommen werden, um ein nachhaltiges Unternehmen zu gründen, welches soziale oder umwelt-bezogene Probleme lösen soll. In unserem Verständnis sind SozialunternehmerInnen solche, die soziale Veränderung förderung und vorantreiben mit den Mitteln und den fachlichen skills, die ihnen zur Verfügung stehen. Für uns kann dies in unterschiedlichen Formen geschehen – sei es nun durch das Geben von einem Fisch, durch Lehren wie man fischt, oder durch das Revolutionieren der Fischerei – solange das (nachhaltige) Geschäftsmodell die soziale Mission vor finanzielle Ziele stellt.

Wie bereits erwähnt sind die Definitionen von Social Entrepreneurship sehr zahlreich und in unterschiedlicher Interpretation vorhanden, weshalb wir euch nicht die EINE “richtige” Version anbieten können. Jedoch laden wir euch gerne dazu ein, euch selbst ein Bild von diesem Konzept zu machen und zu einem unserer Events vorbeizuschauen, wo wir im Rahmen der Community gerne darüber diskutieren!

Wenn du dich gerne intensiver mit dem Thema auseinandersetzen möchtest, sieh’ dir doch auch unsere Literaturvorschläge an. Du findest diese weiter unten.

Vorzeigebeispiele

Wie verschieden Sozialunternehmen in der Praxis nun tatsächlich aussehen können, zeigen die drei folgenden, inspirierenden Beispiele:

 

Grameen Bank

Die Grameen Bank vergibt Mikrokredite an Menschen ohne Einkommenssicherheiten in Bangladesch und versucht damit, die starke Armut in der Bevölkerung zu lindern. Der soziale Impact der Grameen Bank hat nicht nur lokal auf das Armutsproblem gegriffen, sondern ging viel weiter, da das Konzept der Mikrokredite weltweit aufgegriffen wurde und somit die sozio-ökonomische Entwicklung vorangetrieben wird.

“DiD ist ein Erlebnis im Dunkeln wo absolut nicht gesehen werden kann. In kleinen Gruppen nehmen euch unsere blinden und visuell beeinträchtigten Guides mit in ihre Welt, eine Welt der Dunkelheit. In der Finsternis werdet ihr alltägliche Situationen aus der Sicht einer blinden Person erleben, was durchaus zu kleineren Abenteuern führen kann.

Refugeeswork.at als Online Plattform verbindet geflüchtete Menschen und Dienstgeber mit dem Ziel die Potentiale der Flüchtlinge am Arbeitsmarkt verfügbar zu machen. Flüchtlinge können sich gratis registrieren, erstellen ein individuelles Profil und bewerben sich für vakante Positionen. Dienstgeber haben sowohl die Möglichkeit Jobs zu inserieren können allerdings auch direkt nach potentiellen Arbeitnehmern suchen („Talent Search“). Außerdem bietet Refugeeswork.at leicht verständliche juristische Informationen, Downloads bürokratischer Formulare inkl. Hilfestellungstexte und Konzepte um die Integration von Flüchtlingen in die neue Organisation zu erleichtern.

Social Entrepreneurship Times

Der Lernstoff für Gurus

Es gibt verschiedene Organisationsformen für Social Businesses, von Land zu Land verschieden. Wir geben euch hier eine Übersicht über den rechtlichen Rahmen in Österreich. Für Information zu anderen Ländern dürfen wir dich auf die untenstehenden Literaturvorschläge verweisen. Ein großer Teil der Social Businesses in Österreich sind als Verein organisiert, während 23% die Rechtsform einer GmbH oder eines Einzelunternehmen wählen. Im Gegensatz hierzu stehen NPOs, die in 90% der Fälle als Verein organisiert sind.
Wie finanzieren sich Social Businesses? Die Forschung zeigt, dass 52% des Jahresbudgets aus privaten Quellen stammt, 34% aus Profit und 14% aus öffentlichen Quellen, obwohl 60% der Social Businesses in Österreich keine öffentliche Finanzierung haben. Spenden, Förderungen von unterstützenden Organisationen oder Preisgelder machen etwa 10% des Einkommens österreichischer Social Businesses aus. Allerdings haben Social Entrepreneurs ein starkes Bedürfnis und Bestreben, langfristig unabhängig von öffentlichen oder privaten Quellen und selbsterhaltend zu sein.
Es gibt verschiedene Zugänge und Meinungen zu Gewinnallokation und -ausschüttung bei Social Businesses. Manche Leute argumentieren für eine Gewinnausschüttung und Dividendenzahlung an Investoren, während andere die Meinung vertreten, dass Profit innerhalb des Unternehmens bleiben und in Unternehmensaktivitäten reinvestiert werden sollte. Muhammed Yunus ist ein starker Vertreter letzterer Ansicht.
Info-Hub
Zur Praxis

Literaturvorschläge

Hier findest du eine Vielfalt an Referenzen und Vorschläge zu verschiedenen Aspekten und Themen zu Social Entrepreneurship. Klicke auf das Thema, das dich am meisten interessiert, und finde heraus, von wem du etwas lernen kannst.

  • Bacq, S., & Janssen, F. (2011). The multiple faces of social entrepreneurship: A review of definitional issues based on geographical and thematic criteria.Entrepreneurship & Regional Development, 23(5-6), 373-403., 388
  • Dees, J. G., & Economy, P. (2001). Social entrepreneurship. Enterprising Nonprofits: A Toolkit for Social Entrepreneurs. New York: John Wiley & Sons.
  • Felber, C. (2014). Die Gemeinwohl-Ökonomie: Erweiterte Neuausgabe. Paul Zsolnay Verlag.
  • Jensen A., & Scheub U. (2014). Glücksökonomie: Wer teilt, hat mehr vom Leben, oekom verlag.
  • Maier, F., Leitner, J., Meyer, M., & Millner, R. (2009). Managerialismus in Nonprofit Organisationen. Kurswechsel, 4, 94-101.
  • Nicholls, A. (Ed.). (2006). Social entrepreneurship: New models of sustainable social change. OUP Oxford.
  • Schneider, H., & Maier, F. (2013). Social Entrepreneurship in Österreich
  • Seelos, C., & Mair, J. (2005). Social entrepreneurship: Creating new business models to serve the poor. Business horizons, 48(3), 241-246.
  • Vandor, P., Millner, R., Moder, C., Schneider, H., & Meyer, M. (2015). Das Potential von Social Business in Österreich. WU Vienna University of Economics and Business Working Paper.
  • Waddock, S. A., & Post, J. E. (1991). Social entrepreneurs and catalytic change. Public administration review, 393-401.
  • Yunus, M. (2007). Banker to the Poor. Penguin Books India.
  • Yunus, M., & Weber, K. (2011).Building social business: The new kind of capitalism that serves humanity’s most pressing needs. PublicAffairs.

Unsere Inspirationsquellen für den Inhalt des Info Hubs.

  • Bacq, S., & Janssen, F. (2011). The multiple faces of social entrepreneurship: A review of definitional issues based on geographical and thematic criteria.Entrepreneurship & Regional Development, 23(5-6), 373-403., 388
  • Nicholls, A. (Ed.). (2006). Social entrepreneurship: New models of sustainable social change. OUP Oxford.
  • Schneider, H., & Maier, F. (2013). Social Entrepreneurship in Österreich.
  • Christian, F. (2010). Gemeinwohl-Ökonomie. Das Wirtschaftsmodell der Zukunft, Wien.
  • Neumayr, M., Schneider, U., Meyer, M., & Haider, A. (2007). The non-profit sector in Austria: An economic, legal and political appraisal. na.
  • Schneider, H., & Maier, F. (2013). Social Entrepreneurship in Österreich.